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Projekt mit Modellcharakter

Die Stadt Heringen (Hessen) nimmt mit einer eigenen Gesellschaft den Breitbandausbau selbst in die Hand. Gemeinsam mit einem mittelständischen Telekommunikationsunternehmen will man den Bürgern ein erstklassiges Glasfasernetz bieten.

Für die Stadt Heringen ist die Gründung der Werra Glasnetz GmbH der konsequente Schritt, eine zukunftssichere Versorgung mit Breitband zu realisieren. Mit rund 8000 Einwohnern ist die Stadt im hessischen Werratal zu klein, um für die Großen der Branche interessant zu sein, gleichzeitig erfordert der Ausbau der Glasfasertechnologie bis an die Kabelverzweiger in den Orten eine hohe Anfangsinvestition. Für die mittelständischen Unternehmen auf dem Markt sind die hohen Investitionskosten meist eine Hürde, die sie ohne Partner nicht überwinden können. Vor diesem Hintergrund war die in Heringen gewählte Lösung konsequent: Durch die Gründung einer Infrastrukturgesellschaft unter Beteiligung eines Telekommunikationsunternehmens sorgt die Stadt selbst für den Breitbandausbau (s. a. der gemeinderat Spezial „Breitbandausbau", August 2010, S. 46).

Letztlich verfahren wir nach dem Münchhausen-Prinzip", schildert Hermann-Josef Hohmann, Fachbereichsleiter für Wirtschaft, Entwicklung und Kultur in Heringen, das Vorgehen. „Wir ziehen uns am eigenen Schopf aus dem Sumpf und sorgen mit der Werra Glasnetz GmbH für eine zukunftssichere Infrastruktur."

Der zweite Gesellschafter, Inexio aus Saarlouis, sorgt als Technologiepartner für die sichere und zuverlässige Bereitstellung der Breitbandanschlüsse. Das Telekommunikationsunternehmen mietet nach dem Ausbau die erstellte lnfrastruktur komplett an und realisiert dann seine Produkte für die Haushalte in Heringen. In allen Stadtteilen wird der Ausbau zu einer Bandbreite von mindestens 50 Mbit/s führen, in vielen Fällen wird so¬gar eine Datenübertragungsrate von bis zu 100 Mbit/s geboten. Damit sind nicht nur klassische Internetanwendungen möglich, es sind auch die Voraussetzungen für Fernsehen via Internet gegeben.

Nutzung der Ferngastrasse

Noch in diesem Frühjahr werden die Bauarbeiten für die Leerrohre beginnen. Die Gesellschaft wird dabei Baumaßnahmen in der Stadt nutzen, um die Kosten für die Verlegung niedrig zu halten und die Belastung der Bürger während der Bauarbeiten zu reduzieren. Ziel ist es, in einem ersten Schritt sehr schnell 40 Prozent der Haushalte an das Glasfasernetz anzubinden. Binnen zwei Jahren soll dann das Netz in großen Teilen aufgebaut sein. Dann wird der Ausbau der bereits recht gut versorgten Kernstadt angegangen.

Anknüpfungspunkt für das überregionale Glasfasernetz ist übrigens eine Lichtwellenleitertrasse des Ferngasunternehmens Wingas. Seit gut einem Jahr kooperiert Inexio mit dem Konzern in der Form, dass der Telekommunikationsspezialist den Ausbau vor Ort betreibt und über Wingas die überregionale Anbindung erfolgt.

„Eines war von vorneherein allen Beteiligten klar: Wenn wir eine Breitbandstrategie in Heringen umsetzen, dann müssen alle davon profitieren und sie muss nachhaltig sein", so Bürgermeister Hans Ries. „Die Werra Glasnetz GmbH ist für uns der richtige Weg. Alle Haushalte profitieren davon und die Glasfaser gibt uns die Investitionssicherheit, die wir als Kommune natürlich auch im Blick haben." Gleichzeitig ist für Ries der Breitbandausbau eine entscheidende Weichenstellung, um die Stadt für Bürger und Wirtschaft attraktiv und zukunftsfähig zu machen: „Wer den Breitbandausbau der nächsten Generation verschläft, der verschläft in einem wichtigen Feld der kommunalen Infrastrukturausstattung die Zukunft."

Ähnlich wie in den zahlreichen bereits erschlossenen Ortsnetzen in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen wird lnexio DSL-Pakete zwischen DSL 3000 und DSL 100000 anbieten. „Das Projekt in Heringen zeigt beispielhaft, wie durch eine Partnerschaft von Kommune und Telekommunikationsanbieter schnell eine attraktive Breitbandversorgung umgesetzt werden kann", erklärt David Zimmer, Gesellschafter der lnexio. „Die gemeinsame Gesellschaft sichert der Stadt Heringen den Besitz an der Infrastruktur und schont zugleich die Eigenkapitaldecke unseres Unternehmens. Heraus kommt eine zügige Realisierung im Interesse der Bürgerinnen und Bürger von Heringen."

In den nächsten Jahren wird Werra Glasnetz rund 2,5 Millionen Euro in den Ausbau der passiven Telekommunikationsinfrastruktur investieren. Damit werden alle 44 Kabelverzweiger in der Kommune mit Glasfaser erschlossen. Für den aktiven Betrieb sind seitens der lnexio weitere Investitionen in Höhe von über 600000 Euro notwendig. Ein späterer Ausbau des Glasfasernetzes bis in die einzelnen Haushalte ist dadurch immer noch möglich - ein wichtiger Punkt für die Nachhaltigkeit des beschrittenen Weges.

Der Branchenverband VATM bezeichnet den Weg in Heringen als ein Modell, das Schule machen wird, „da es langfristig auf ökonomisch sicheren Beinen steht und einen Return of lnvest für alle Beteiligten sichert."
 

Mario Krüger (Freier Journalist, Berlin)
Aus: der gemeinderat, Ausgabe 05/11, S. 38 - 39
Mit freundlicher Genehmigung des Eppinger-Verlag GmbH & Co. KG
www.gemeinderat-online.de




Ansprechpartner

Hermann-Josef Hohmann
Tel.: (06624)5127
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