Typisch Junge- Typisch Mädchen ?!


Liebe Leserinnen und Leser,

Ihnen sind bestimmt schon mal Jungs mit Puppenwagen begegnet, verkleidet im Kleid oder genauso Mädchen auf einem Quad oder mit Rennautos in der Hand, die tobend durch den Garten flitzen. Auch in unseren Kindertageseinrichtungen erleben wir Erzieherinnen jeden Tag Situationen im Alltag, in denen Mädchen kämpfen, wilde Piraten spielen und Jungs in der Puppenecke bügeln, kochen und mit dem Puppenhaus spielen.

Diese Situationen werden von Erwachsenen teilweise belächelt und der ein oder andere fragt sich vielleicht ob das gut ist?!

Wir Erzieherinnen sagen- ja, es ist gut! Denn, „Typisch Junge“- „Typisch Mädchen“, was ist das? Wer gibt das vor? Die Kinder spielen das nach, was sie täglich in ihrem Umfeld erfahren und erleben. Die typische Rollenverteilung und auch die Familienmodelle haben sich im Laufe der Jahre verändert. Heutzutage gehen oft beide Elternteile arbeiten und beide übernehmen die Haushaltsarbeit und die Kinder erfahren, dass auch Mütter den Rasen mähen oder Väter die Arbeiten im Haushalt erledigen, kochen usw. Teilweise erleben die Kinder von Alleinerziehenden nur ein Elternteil, welches beide Rollen vereint. Kinder suchen in ihrer Entwicklung Vorbilder und finden diese in ihrem direkten Umfeld, in Familie, Freizeit, Freunde und Schule/Kita. Das Nachspielen von Lebenssituationen ist wichtiger Teil ihrer Persönlichkeitsentwicklung, d.h. Kinder zwischen zwei und sechs Jahren beschäftigen sich auf unterschiedliche Art und Weise mit den Geschlechterrollen immer auf der Suche nach dem eigenen ICH.

Kinder bringen durch die Spiele mit verschiedenen Rollen ihre Fantasie zum Ausdruck und lernen sich in Andere hineinzuversetzen. Kinder spielen das nach, was für sie besonders schön, spannend oder auch schlimm ist, sie verarbeiten durch dieses Nachspielen Erlebtes. Sie knüpfen Kontakt zueinander und lernen das eigene ICH kennen, sich in Andere hineinzuversetzen und ihre gemachten Erfahrungen zu verarbeiten. Kinder experimentieren gerne mit der Gegenrolle auf dem Weg zum eigenen ICH. Kindern gelingt es so, eine größtmögliche Vielfalt an männlichen und weiblichen Verhaltensweisen zu erproben. Die Aufgabe von uns Erwachsenen ist es, die Kinder in ihrem Spiel ernst zu nehmen und sich ausprobieren zu lassen, denn so lernen sie von klein auf verschiedene Aufgaben zu bewältigen und später als Erwachsene flexibel auf verschiedene Lebensherausforderungen zu reagieren.

Abschließend, liebe Leserinnen und Leser ein kleines Zitat zum Nachdenken: „Jeder und jede hat ganz eigene Eigenschaften und vielfältige Interessen. Jeder und jede kann etwas anderes gut. Viele sagen dann: „Typisch Mädchen“ oder „Typisch Junge“. Das nennen wir >Jemanden in eine Schublade stecken< aber überleg doch mal! Passt ein Kind in eine Schublade? Na also…!“

(aus dem Kinderbuch „Mädchen oder Junge“ von Kadasch & Dritter 2009)

 

Lydia Kümmel
(Kindertagesstätte Herfa)




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