Kinder Kind sein lassen


Liebe Leserinnen, liebe Leser,

unser Alltag ist geprägt durch viele Termine. Montags einkaufen, dienstags Kinderturnen, mittwochs Kinderarzttermin und vieles mehr. Der Wochenplan von vielen Kindern ist oftmals voller als der ihrer Eltern, denn sie sollen möglichst früh möglichst viel lernen und sich positiv entwickeln. Schon in der Krippe erleben wir nicht selten, dass Kinder beim Abholen fragen: „Was machen wir heute?“.

Kinder sollen Kinder sein, sie sollen spielen dürfen, sich dreckig machen und in einer Gruppe Konflikte lösen, auch wenn dies mit Tränen verbunden sein kann. Im spielerischen Umgang mit den Problemen, die wir Erwachsene unseren Kindern gewollt oder ungewollt bereiten, bereiten sich Kinder auf das Leben vor. Kinder sollen scheitern dürfen, denn auch für Kinder gilt: Fühlbar und beherrschbar wird nur das selbst Erlebte. Herausforderungen, die es zu meistern gilt, an denen sie wachsen können. Dazu brauchen sie vielfältige Gelegenheiten, sich selbst einzubringen, auszuprobieren und Verantwortung zu übernehmen.

Diese unterschiedlichen Fähigkeiten lernen Kinder nur durch eigene Erfahrungen, beim Lösen von Problemen und der Bewältigung von Herausforderungen. Im Spiel treffen sie auf andere Kinder, mit denen sie erste Rollenspiele spielen, erlebtes nachspielen und sich zugehörig fühlen. Sie lernen, Konflikte zu lösen und gemeinsame Aufgaben zu erledigen. Aufgaben, die für einen allein viel zu groß wären.

Im Spiel können die Kinder ihrer Neugier freien Lauf lassen. Sie sind von Natur aus neugierig und auf Entdecken eingestellt. Auch wenn Erwachsene diese Neugier nicht immer nachvollziehen können.

Die Fantasie wird täglich aufs Neue angeregt. So entstehen Dinge an Orten, wo keine sind und auf einmal befinden sie sich in einer anderen Welt. Diese Erfahrungen können Kinder nur innerhalb einer Gemeinschaft machen, in der sie erleben, wie schön es ist, gemeinsam mit anderen etwas entdecken, etwas gestalten oder sich einfach um etwas kümmern zu können. Selbstwirksamkeit: auch das ist, was Kinder glücklich macht.

Das Leben der Kinder beruht nicht nur auf täglichen Terminen, sondern einer Mischung aus Ruhe, spielen und lernen.

Förderung in Maßen ist sicherlich hilfreich und gibt Ihrem Kind viele wichtige Impulse für die Sprachentwicklung, Wahrnehmung oder Fertigkeiten. Einfach mal mit Mama und Papa zu kuscheln, mit Oma Quatsch zu machen und heimlich ein Stück Schokolade zu naschen oder sich alleine zu beschäftigen ist aber mindestens genauso wichtig und darf bei all der Förderung nicht zu kurz kommen. Langeweile aushalten können und daraus aus eigenem Antrieb neue Spielideen entwickeln. Immer öfter lernen Kinder diese Langeweile nicht mehr kennen, weil ständig etwas anderes auf dem Programm steht. Schätzen sie die Zeit in der Familie. Diese Momente sind für Kinder wichtig und unverzichtbar.

Ich lade sie zu einem kleinen „Experiment“ ein. Beantworten sie doch für sich kurz folgende Fragen:

Was haben sie in ihrer Kindheit am liebsten gespielt?
Mit was haben sie in ihrer Kindheit am liebsten gespielt?
Wo haben sie in ihrer Kindheit am liebsten gespielt?
Welchen Einfluss hatten Erwachsene auf ihr Spiel?

Das Schwelgen in Erinnerungen macht dem ein oder anderen vielleicht folgendes klar: Es braucht nicht viel für eine glückliche Kindheit!




Ansprechpartner

Kindertagesstätte Wölfershausen
Pädagogische Gesamtleitung
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